Wein aus eigenem Anbau – Ein außergewöhnliches Projekt der Paul-Aldinger-Schule

Benningen am Neckar: In den Steillagen der Neckarhälde bearbeiten die Schülerinnen und Schüler der Berufsvorbereitenden Einrichtung der Paul-Aldinger-Schule (Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum, Schwerpunkt geistige Entwicklung) einen Weinberg. Sie reparieren Mauern, pflegen die Weinstöcke und lesen im Herbst die Trauben – aus denen sie schließlich schuleigenen Wein herstellen.  

Besitzer des Weinbergs ist der Förderverein der Schule. Als vor einigen Jahren der Gedanke aufkam, man könnte den Jugendlichen neben Werkstattunterricht und Praktika noch weitere Aufgaben übertragen, bei der sie einen Erfolg nach getaner Arbeit sehen können, erwarb der Verein einige Parzellen an der Steillage. Zu Beginn wurde nur eine Parzelle gekauft, in der noch einige Rebstöcke vorhanden waren, die jedoch teilweise von Brombeerhecken überwuchert war und die Mauern eingestürzt. Nach kurzer Zeit folgte der Kauf einer weiteren Parzelle. Die Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Fördervereinsmitglieder sowie ein älterer Winzer bearbeiteten gemeinsam den ein Hektar großen Weinberg und erweckten ihn zu neuem Leben.

Der Weinberg ist ein großartiges Lern- und Arbeitsfeld. Die Schülerinnen und Schüler können – wortwörtlich – die Früchte ihrer Arbeit sehen, sie erleben diese als etwas, das sie selbst erschaffen haben, sie identifizieren sich mit jedem Mauerstück und jedem Fleck gerodeter Erde. Jede Rebe ist „ihre“ Rebe. Die Jugendlichen werden hier auf vielen Gebieten gefördert und gefordert. Neben dem Gebrauch von Werkzeugen und dem Umgang mit Maschinen wird ebenso Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen und körperliche Ausdauer verlangt sowie gelehrt.

Die Ausstattung mit Werkzeugen und Materialien wird vom Förderverein finanziert. Jedes Jahr werden etwa zwei Terrassen gerodet, mit schwarzer Folie abgedeckt, die Mauern ausgebessert und erneuert, um dann im nächsten Jahr neue Reben pflanzen zu können. Hinzu kommen die über das Jahr anfallenden Arbeiten wie Mähen, Schneiden und natürlich im Herbst die Lese der Trauben. Dafür werden im Jahr ca. 250 Arbeitsstunden von der Gruppe aufgewendet. Den ersten Weinertrag (ca. 100 Flaschen) gab es aus den vorgefundenen alten Weinstöcken der Sorte Regent. Der Wein wurde professionell durch einen regionalen Winzer ausgebaut. Der Wein wird biologisch kultiviert und die neuen Sorten sind pilzwiderstandsfähig, so dass ein Spritzen unterbleiben kann. Mittlerweile ist der Weinberg fast wieder vollständig hergestellt und hat einen Ertrag von etwa 400-500 Flaschen – je nach Jahr und Wetterlage.

Auch die Vermarktung des Weins ist Aufgabe der Gruppe. Sie haben das Etikett der Flaschen entworfen und suchen stetig neue Partner sowie Möglichkeiten für den Verkauf. Mit ihrer Arbeit leisten die Schülerinnen und Schüler einen wertvollen Beitrag zum Landschafts- und Naturschutz. Im Jahr 2009 und 2015 wurden sie mit einem Förderpreis zur Heimatpflege und zum Denkmalschutz ausgezeichnet. 2019 gewannen sie den vom LSFV BW ausgelobten Förderpreis "Ehrenamt macht Schule". Fachlich unterstützt wird die Arbeit durch zahlreiche Kooperationspartner aus Gartenbau, Winzern und Obstbauern, die den Jugendlichen wichtiges Wissen vermitteln oder selbst mit anpacken.

Sicher ist: Ohne die tatkräftige Unterstützung des Fördervereins würde es dieses für die Jugendlichen bereichernde Projekt wohl kaum geben.