Unterricht „dank“ Kaffee – Das Nepal-Projekt der Abt-Bessel-Realschule Buchen

Wo Lehrkräfte, Schülerinnen, Schüler und der Förderverein an einem Strang ziehen und Hand in Hand arbeiten, können großartige Projekte entstehen. Ein Beispiel dafür ist die Schülerfirma „Namaste Nepal sAG“ der Abt-Bessel-Realschule Buchen. Nachdem bei den schweren Erdbeben 2015 in Nepal viele Schulen und auch Lebensgrundlagen der Menschen zerstört wurden, wuchs in Buchen im Odenwald der Wunsch, der Bevölkerung – und vor allem den Kindern – zu helfen. Es wurde eine Schülerfirma gegründet, die gemeinsam mit einer Schule in Sachsen ein Schülernetzwerk bildete. Das Ziel aller Beteiligten war und ist bis heute, die Bildungschancen in der Bergregion Gati in Nepal zu verbessern.

Um die Schulen in Gati wieder errichten zu können, wurden Spenden gesammelt und man begann mit dem Verkauf von fair gehandeltem, ökologisch angebautem Kaffee. Die Mitglieder der Schülerfirma importieren ökologisch angebauten Rohkaffee direkt von den Bergbauern Nepals – ohne Zwischenhändler. Die Kaffeebauern werden über die eigens gegründete NGO Namaste Nepal Kathmandu im ökologischen Anbau und in Qualitätssicherung geschult. Import, Röstung, Verpackung und Vermarktung werden von den Jugendlichen in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Fördervereins organisiert. Der fertige Kaffee wird in einem kleinen von den Schülerinnen und Schülern eigenständig geführten Nepal-Laden in der Schule neben weiteren Fairtrade-Produkten verkauft sowie an lokale Geschäfte ausgeliefert – 2018 fanden fast 700 Kilo Kaffee Abnehmer. Der Gewinn des Kaffeeverkaufs fließt wiederum zurück nach Nepal und wird dort unter anderem in den Schulbau und Unterricht investiert.

Doch die Schülerfirma sorgt nicht nur für Wissensgewinn in Nepal. Auch die deutschen Schülerinnen und Schüler bilden sich durch die Arbeit in der Schülerfirma weiter. Sie erlernen grundlegende Kompetenzen in wirtschaftlichem Denken und Handeln, erlangen neues Wissen zu Interkulturalität, erleben das große Gefälle zwischen der Lebenssituation in westlichen Ländern und in Nepal. Sie überlegen sich neue Maßnahmen zur Generierung von Spenden, wodurch sie kreative Fähigkeiten entwickeln. Durch die Besuche in Nepal, wo sie selbst mit anpacken, erlangen sie vielfältige praktische Fähigkeiten.

Die Reise nach Nepal wird von den Buchener Jugendlichen selbst finanziert. Sie leben direkt bei den Familien der Kaffeebauern, arbeiten in Workshops mit den Schulkomitees und der NGO. Doch auch die Zusammenarbeit mit den nepalesischen Schülerinnen und Schülern ist ihnen wichtig, um gemeinsam weitere Vorhaben zu planen – damit die Hilfe auch dort ankommt, wo sie benötigt wird.

Mittlerweile konnten die sieben Schulen im Distrikt Gati wieder erdbebensicher aufgebaut werden. Der Verkauf des Kaffees sorgt nun für eine nachhaltige Finanzierung des Unterrichts. Darüber hinaus werden lokale Projekte unterstützt, wie die Aufforstung der Region, um die Hänge gegen weitere Erdrutsche zu sichern, der Aufbau einer medizinischen Grundversorgung, Kleinkredite an Frauen, die Nähstuben eröffnen möchten, sauberes Wasser und das Kaffee-Projekt.

Kaffeeanbau ist in Nepal bisher kaum verbreitet, es gibt nur wenige Anbaugebiete. In Gati unterstützte die Schülerfirma die Gründung einer Kaffeekommune: Die Dorfbewohner übernehmen die Pflege der Kaffeepflanzen und werden dafür im ökologischen Anbau geschult. Auch die Kinder und Jugendlichen in Gati lernen in einem Agrarprojekt neben dem ökologischen Anbau von Nutzpflanzen auch den Anbau von Kaffee.

Das Ziel des Schülernetzwerks ist es, der Region zu helfen, auf eigenen Beinen zu stehen und sich selbst zu finanzieren. Und die ersten Erfolge zeigen sich etwa bei den Näherinnen: Die Nähstuben ermöglichen Frauen ein eigenes Einkommen und die Schülerfirma konnte bereits hunderte handgefertigte Taschen zu einem fairen Preis abkaufen und weiter vertreiben.

Durch das Projekt, für das der Förderverein Impulse e.V. eine wichtige Stütze darstellt, erfahren die Schülerinnen und Schüler, wie wichtig Hilfe zur Selbsthilfe ist, um nachhaltig erfolgreich etwas zu verbessern, und welche Bedeutung eine faire Bezahlung für die Menschen hat, die in der wirtschaftlichen Kette am Ende stehen.

Eindrücke von dem Projekt: