Nachhaltige Landwirtschaft mit „Alberts Weinstöckle" in Neckarsulm

In deutschen Regionen ist die Weinbautradition schon sehr alt. Bereits die Römer pflanzten vor 2.000 Jahren kleine Rebstöcke an der Mosel und ernteten Trauben. Heute gibt es über 100.000 Hektar Rebfläche in Deutschland. Die meisten Weinberge befinden sich in Süddeutschland – beispielsweise in Neckarsulm. Hier führt die Schülergenossenschaft „Alberts Weinstöckle“ unter Anleitung der Schule und dem Förderverein einen eigenen Weinberg mit Trollingerreben. Unter dem Motto „Zusammenarbeiten, Bewahren und Wertschätzen“ beteiligen und engagieren sich die SchülerInnen der Klassen 5 bis 10 am Herstellungsprozess von alkoholfreiem Traubensecco, der zu verschiedenen schulischen Anlässen verkauft und verschenkt wird. Den allgemeinen Herstellungsprozess lernen die jungen Winzer in den Fächern Biologie, Erdkunde, Chemie und Gemeinschaftskunde kennen.

Der Förderverein des Albert-Schweitzer-Gymnasiums unterstützt die Schülergenossenschaft und das Schülerprodukt in vollem Umfang. Gemeinsam wird der leckere, frische Traubensecco bei diversen Veranstaltungen verkauft oder als Geschenk übergeben. Als eine der ersten Institutionen erwarb der Förderverein zudem Anteile der Schülergenossenschaft mit dem Ziel, gemeinsam mit den engagierten Jugendlichen soziales Engagement zu erleben, die Natur und Umwelt wertzuschätzen, Kultur und Tradition in der Weinbauregion Neckarsulm zu bewahren und den Teilnehmenden nützliche und praktische Tipps im Bereich Unternehmertum zu vermitteln. Schließlich fungieren die Jugendlichen mit der Rechtsform „Genossenschaft“ als Unternehmer und sind ganzjährig vollumfänglich für ihre Mitglieder, ebenso wie für die Genossenschaft, verantwortlich.

Da die Stadt Neckarsulm eine lange Winzertradition pflegt, überlässt die Stadt der Schule den Weinberg zur Bewirtschaftung. Alle Beteiligten arbeiten Hand in Hand – angefangen bei der Winzerarbeit bis hin zur Vermarktung und dem Verkauf. Vom Frühjahr bis hin zur Ernte im Herbst pflegen und kultivieren die SchülerInnen die Weinreben. Freiwillige, lokale Winzer leiten sie dafür praktisch an und vermitteln ihnen hilfreiche Tipps rund um die Reben und Trauben. Da sowohl der Boden als auch die Rebstöcke intensive Pflege benötigen, schneiden die SchülerInnen diese von Hand, sammeln und biegen die Ruten, lockern den Boden und entfernen die trockenen Blätter. Durch die praxisnahe Arbeit erlenen sie wichtige Handgriffe, die vor der Weinlese nötig sind. Regelmäßig untersuchen die Jugendlichen unter fachmännischer Anleitung die Rebstöcke und Blätter auf Krankheiten und Schädlinge. Bei einem Befall der Pflanzen entscheiden sie zusammen mit dem beratenden Winzer, welche sinnvollen Gegenmaßnahmen ergriffen werden können, um der Natur nicht zu schaden.

Bereits sechs Wochen vor der eigentlichen Weinlese schneiden die SchülerInnen die Reben aus. Damit verringert sich zwar der Ertrag, dafür steigt die Qualität des Endprodukts. Die meiste Mühe und Arbeit investieren die  NachwuchswinzerInnen dann in die Weinlese. Diese beginnt zwischen Mitte und Ende September. Die Ernte erfolgt traditionell per Hand. Gemeinsam wird eine Auswahl getroffen, welche Trauben geeignet sind für die Gewinnung des qualitativ hochwertigen Endprodukts. Sobald alle Trauben verlesen wurden, erfolgt der Transport zur örtlichen Weinkellerei. Hier werden die Trauben vermaischt, gepresst und danach geklärt. Der daraus gewonnene Traubensaft wird zur weiteren Verarbeitung an eine Sektkellerei überstellt.

Das fertige Produkt ist ein einzigartiger und individuell ausgelesener, alkoholfreier Traubensecco, der in 0,75l Flaschen erhältlich ist. Nun kümmern sich die Abteilungen Marketing und Vertrieb der Schülergenossenschaft um alle weiteren Schritte. Dazu gehören die Produktgestaltung, Preis, Platzierung und Design. Alle Aspekte der freien Marktwirtschaften fließen in das Projekt mit ein und vermitteln den Teilnehmenden nützliche Schüsselqualifikationen für das spätere Berufsleben.