Ein Werkraum voller Engel – Es weihnachtet in Wertheim

Frühjahr 2019: Kam man in der ersten Schulwoche nach den Sommerferien in den Werkraum der Edward-Uihlein-Schule Wertheim (SBBZ Lernen), hatte man das Gefühl, Weihnachten stehe bereits vor der Tür. Geschäftig stellten hier alle Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 Tonprodukte für den Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt her. Vor allem Engel wurden in sämtlichen Größen und Ausführungen getöpfert.

Zunächst rührten die Nachwuchs-Künstler weiße Gießtonmasse fachgerecht mit dem Rührwerk an und füllten sie in Engel-Gießformen. Dass man diese Gießformen mit Gummis sichern muss, war nach ersten „Unfällen“ klar. Sobald der Ton getrocknet war, konnten die Formen entfernt werden. Die Engel besaßen zu diesem Zeitpunkt schon ihre grobe Gestalt. Nun ging es an die Feinarbeit: Mit feinen Messern und Wasserschwämmchen wurden die Engel vorsichtig geglättet und die feinen Gesichtskonturen nachgearbeitet. War der jeweilige Schüler bzw. die Schülerin mit dem Engel zufrieden und hatte auch der Werklehrer sein Okay gegeben, wanderte der Engel in den Brennofen.

Nach dem Brennen und Auskühlen konnten die Engel entweder mit feinen Pinseln und Glasfarbe bemalt werden oder mit einem breiten Pinsel an Haaren, Bäckchen und Flügeln mit goldener Farbe betupft werden. Die mit Glasfarbe bemalten Engel wurden erneut gebrannt.

Für die Schülerinnen und Schüler war das Fach Werken bald gleichzusetzen mit „Engelproduktion“. Sobald jedem Lernenden die einzelnen Arbeitsschritte geläufig waren, kristallisierten sich in jedem Bereich wahre Profis heraus. Jeder fand mit der Zeit die Tätigkeit, die ihm bzw. ihr am meisten lag: Wer eher „grob“ arbeiten wollte, rührte die Ton-Masse an, wer feinmotorisch sehr geschickt war, bemalte die Engel. Alle waren jedoch in den Arbeitsprozess eingebunden und es stellte sich ein großes Gemeinschaftsgefühl ein. Man lachte nicht bei Fehlern des anderen, sondern half sich gegenseitig und gab Tricks und Kniffe weiter.

Ende November wurde dann ein „Standplan“ für den Weihnachtsmarkt erstellt. Jeweils drei Schülerinnen und Schüler sollten zusammen mit einer Lehrkraft oder einem Mitglied des Fördervereins eine Dienstschicht von vier Stunden übernehmen. Pro Werktag mussten zwei Schichten, am Wochenende drei Schichten abgedeckt werden. Anfangs gab es noch Bedenken, ob sich dafür genügend Freiwillige finden ließen, doch die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler war beeindruckend und so konnten teilweise auch vier Lernende pro Schicht eingeteilt werden.

Mit großem Stolz verkauften die Töpfer-Profis schließlich „ihre“ Engel. Viele Weihnachtsmarktbesucher blieben am Stand der Förderschule stehen und staunten. Auf die Nachfrage, ob sie die Engel wirklich selbst gemacht hätten, gaben die Schülerinnen und Schüler detailliert Auskunft über den Herstellungsvorgang und zerstreuten somit auch die letzten Zweifel. Verkaufsschlager war das Engel-Duo Anton & Antonia – hier hatte jeder Engel einen Namen.

Das Gelingen dieser eindrucksvollen Aktion verdankt die Edward-Uihlein Schule dem beherzten Einsatz des Werklehrers sowie dem Förderverein. Dieser finanzierte die benötigten Materialien und beteiligte sich zudem an den Geräten, die zur Herstellung benötigt wurden. Auch bei der Standaufsicht, dem Auf- und Abbau wirkten die Mitglieder tatkräftig mit. Von den Einnahmen am Weihnachtsmarkt spendierte der Förderverein allen Schülerinnen und Schülern einen Tag im Freizeitpark und unterstützte die anstehenden Klassenfahrten.