Alle zusammen für mehr Teilhabe – Inspirierende Ideen aus Rudersberg

Einkaufen, ohne zu bezahlen – das klingt eher nach Wunsch als nach Realität. Doch ein kleiner Laden in der 11.400-Einwohner-Gemeinde Rudersberg setzt dieses Konzept seit etwa einem Jahr erfolgreich um. Die Idee entstand, als Schülerinnen und Schüler der Werkrealschulklasse 9d im Unterricht das Thema Nachhaltigkeit behandelten. Der Unterrichtsstoff inspirierte die Jugendlichen und deren Lehrkräfte und schnell war klar: Man wollte auch in der eigenen Gemeinde ein nachhaltiges Projekt starten. So eröffnete Anfang 2019 das „Koschd-gä-nix-Lädle“ in Rudersberg, der erste Umsonst-Laden in der Region. Heute sind die Regale im Laden gefüllt mit Kleidung, Büchern und Spielzeugen. Gemanagt wird alles von den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 8 und 9. Um den Laden betreiben zu können, erhalten sie Sachspenden von Familienmitgliedern, Bekannten und Nachbarn.

Unterstützung erhalten die Jugendlichen auch vom Verein der Freunde und Förderer des Schulzentrums Rudersberg e.V.. Der Verein ist Schirmherr des „Koschd-gä-nix-Lädle“ und beeindruckt von dem Engagement der Jugendlichen, den Laden aufrechtzuerhalten. Für die Umsetzung des Projekts kreierten die SchülerInnen eigene Flyer und verteilten diese im Ort; im Fach Werkstoffkunde bauten sie Kleiderstangen und Regale, sie sammelten Spenden und dekorierten die Räumlichkeiten. Auch der Betrieb des Ladens wird von den Jugendlichen übernommen. Jeden Donnerstag von 13 bis 15 Uhr halten sie die Stellung im „Koschd-gä-nix-Lädle“, verräumen Ware, beraten die Besuchenden und organisieren den „Verkauf“. Die Resonanz in der Bevölkerung ist äußerst positiv. Mit dem Projekt erreichen die Jugendlichen gleich zwei Ziele: Zum einen können sie mit dem Angebot bedürftige Menschen unterstützen, zum andern schärfen sie das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger für den Wert von Kleidung, Spielzeug und Co. Ein Lädchen als Kontaktstelle, Treffpunkt und Hilfe zugleich – nur ein tolles Beispiel für Teilhabemöglichkeiten in Rudersberg.

Ein weiteres Beispiel und ebenfalls Projekt vom Verein der Freunde und Förderer des Schulzentrums Rudersberg ist der Rudersberger Familienpass. Vor zehn Jahren initiierte der Förderverein den Arbeitskreis „Kinderarmut“. In diesem entstand die Idee eines Passes, der Familien mit niedrigem Einkommen unterstützen und ihnen mehr gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen sollte. Der Gemeinderat nahm die Anregung auf und beschloss kurze Zeit später den Rudersberger Familienpass. Dieser wurde seitdem an über 1.280 Familien verteilt – und die Nachfrage bleibt hoch. Auch 2019 wurden wieder 150 Pässe ausgegeben.

Der Schulförderverein tritt nicht nur als Initiator des Projekts auf; er unterstützt auch finanziell die Passinhaber. Familien mit Kindern in der 1. und 5. Klasse erhalten von dem Förderverein einen Gutschein in Höhe von 75 Euro. Damit können Eltern die schulische Grundausstattung ihrer Kinder finanzieren. Für diese wichtige Aktion setzt der Verein rund 3.000 Euro jährlich ein. Zudem wirbt er kräftig für den Familienpass und verteilt Flyer in Kindergärten, bei der Schulanmeldung und bei Elternabenden. Das Ziel: Jede Familie mit niedrigem Einkommen soll von dem Pass erfahren und ihre Teilhabechancen nutzen. Unter anderem zahlen Passinhaber bei der Kernzeitbetreuung nur die Hälfte, auch die Ferienbetreuung der Gemeinde wird durch den Familienpass vergünstigt und ermöglicht den Kindern eine gute Betreuung sowie ein unterhaltsames Programm in den Schulferien. Mittlerweile beteiligen sich auch weitere Vereine und Einrichtungen mit eigenen Angeboten am Familienpass.

Dank des Engagements des Fördervereins ist ein Projekt entstanden, in dem viele helfende Hände ein Ziel verfolgen: Die Teilhabe aller Menschen in Rudersberg zu verbessern und die soziale Ungleichheit von Kindern und Jugendlichen zu verringern.